Tarifverhandlungen im kommunalen Nahverkehr gestartet - Arbeitgeber positionieren sich
Pressemitteilung des KAV Niedersachsen
Erste Tarifrunde TV-Nahverkehr (TV-N) Niedersachsen beginnt / Arbeitgeber gehen mit starken Positionen in die 1. Tarifrunde / Bewertung der ver.di-Forderungen / Spartentarifvertrag TV-N Niedersachsen zum 31.03.2026 gekündigt / Friedenspflicht gilt noch bis Ende März
HANNOVER: Tarifverhandlungen für die niedersächsischen kommunalen Nahverkehrsunternehmen starten heute in Hannover.
Zum Auftakt der Tarifrunde haben die Arbeitgeber eine Bewertung der ver.di-Forderungen vorgenommen. Die von ver.di erhobenen Forderungen summieren sich nach Einschätzung des KAV Niedersachsen auf über 8 Prozent Mehrkosten pro Jahr. Eine Entgelterhöhung von 2,8 Prozent ab 1. Mai 2026 ist zudem bereits zugesagt, sodass das Gesamtvolumen eine Erhöhung von 11 Prozent jährlich erreicht. Den Gewerkschaftsforderungen stehen eine Finanzierungslücke bei den kommunalen Nahverkehrsunternehmen und leere Haushaltskassen der Kommunen gegenüber.
Die Arbeitgeberseite weist mit Ihrem Positionspapier darauf hin, dass eine weitere Minderung an Produktivität zu einer deutlichen Reduzierung des ÖPNV-Angebotes führen wird. Weitere Linienkürzungen sind weder im Sinne der Kundschaft noch förderlich für die angestrebte Verkehrswende, welche nur mit einem öffentlichen Nahverkehr, der mit einem breiten Streckennetz, dichter und zuverlässiger Fahrplantaktung sowie bezahlbaren Preisen überzeugt.
Mit dem Positionspapier machen die Arbeitgeber deutlich, dass das Ziel dieser Tarifrunde sein muss, sich den aktuellen wirtschaftlichen und demografischen Rahmenbedingungen zu stellen.
Michael Bosse-Arbogast, Hauptgeschäftsführer des KAV Niedersachsen: „Die Gewerkschaft fordert insbesondere eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit und drei weitere Urlaubstage. Schon jetzt gibt es aber 32 freie Tage pro Jahr. Unser Eindruck ist, dass die Gewerkschaft die Bodenhaftung verloren hat. Wir zahlen für Arbeit und nicht für Abwesenheit. Zudem bedauern wir sehr, dass die Forderungen erkennen lassen, dass dem zurückliegenden Tarifabschluss vom Mai 2025 mit einer Entgeltsteigerung von insgesamt 5,8% mehr Lohn keine Wertschätzung beigemessen wird.“
Für den Fahrdienst gilt, dass diese Berufsgruppe bereits heute schon sehr attraktiv vergütet wird. Bei Berufseinstieg liegt das Jahresbrutto bei mehr als 40.000 Euro für Fahrerinnen und Fahrern und nach vier Berufsjahren bei mehr als 46.000 Euro brutto im Jahr. Diese Berufsgruppe verdient deutlich mehr als vergleichbare Angestellte im TVöD. Die Entgelte sind in den letzten zehn Jahren um 38 Prozent gestiegen. Zusammen mit den verbesserten Arbeitsbedingungen der letzten Jahre ergeben sich fast 50 Prozent.
Michael Bosse-Arbogast weiter: „Weitere zusätzliche Personalkostenerhöhungen und ein Verlust an Produktivität verschärfen die wirtschaftliche Situation unserer kommunalen Nahverkehrsunternehmen. Für 2026 steht eine Entgelterhöhung von 2,8 Prozent bereits fest. Unsere Unternehmen brauchen finanzielle Klarheit und Stabilität, um in den kommenden Jahren ihre Liniennetze zu modernisieren, Klimaschutzziele zu erfüllen und verlässliche Mobilität für Ihre Kundinnen und Kunden zu gewährleisten. Eine durch die Forderungen notwendige Erhöhung der Fahrpreise ist den Kunden nicht mehr zuzumuten.“
- Positionspapier des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Niedersachsen (KAV) zu den Tarifverhandlungen des Spartentarifvertrages Nahverkehr Niedersachsen 2026 (TV-N Nds.)
Tarifrunde TV-N Niedersachsen 2026
Der KAV Niedersachsen verhandelt ab dem 19. Februar 2026 für insgesamt zehn kommunale Nahverkehrsunternehmen (Braunschweiger Verkehrsgesellschaft BSVG, Delbus GmbH & Co. (Delmenhorst), Göttinger Verkehrsbetriebe GÖVB, MOIN Mobilitätsinfrastruktur und -betriebs GmbH (Lüneburg), SWO Mobil GmbH (Osnabrück), Stadtbus Goslar, SVHI Stadtverkehr Hildesheim, Stadtwerke Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven, üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG und Wolfsburger Verkehrsgesellschaft WVG) mit rund 4.550 Beschäftigten den Manteltarifvertrag für den Nahverkehr (TV-N) in Niedersachsen mit dem ver.di Landesbezirk Niedersachsen/Bremen.